Die Titelentscheidung der Formel 1

So, beinahe zwei Wochen nach dem entscheidenen Grand Prix in Abu Dhabi kommt hier nun meine Sicht der Dinge.

Hamilton, nach erneut starker Qualifikation hatte das Heft in der Hand. Rosberg konnte durch Kampf mit den Red Bull oder Ferrari mehr verlieren, als durch einen zweiten Platz. Das Mercedes Team hatte eine klare Ansage: es ist uns egal, welcher unserer Fahrer Weltmeister wird, solange der Doppelsieg ins Ziel gefahren wird. Zu diesem Zeitpunkt heißt ein Doppelsieg natürlich unweigerlich: Rosberg wird Weltmeister.

Soweit die Vorzeichen. Im Rennen spielt Hamilton seine Stärke aus, er fährt beliebig schnell und, was unglaublich wichtig ist, bleibt immer das entscheidende Stück vor Rosberg. Er weiß genau: Sollte Rosberg auch nur den Hauch einer Chance auf Angriff sehen, wird er versuchen zu überholen.

Hamilton’s Dilemma: Ein Sieg vor Rosberg hilft Ihm nicht. Er muß die Verfolger in Angriffsreichweite bringen. Hamilton geht hier unglaublich clever vor, nach dem letzten Boxenstop, wenn die Crew jegliche physische Einflussmöglichkeit abgegeben hat, macht er Ernst. Hamilton fährt deutlich langsamer als er kann. Aber an den wichtigen Stellen deutlich schneller als Rosberg. Hamilton zwingt Rosberg daduch, Zeit auf seine Verfolger zu verlieren ohne selbst angreifen zu können. Diese Fahrt ist wahrlich meisterlich: der allerhöchste Schwierigkeitsgrad des Rennautofahrens.

Seine Strategie geht auf: zunächst Verstappen (durch 1 stop trotz Startkollision weit vorn), dann Vettel schließen auf, sind rundenlang auf Schlagdistanz. Es ist ein Nervenkrieg und Rosberg demonstriert, warum er den Titel verdient: er bleibt runden lang cool, in allerhöchster Begrängnis tut er das Beste,um nicht überholt zu werden. Seine Strategie geht auf, weil Vettels UltraSoft kurz vor Schluß bereits nachlassen und weil Vettel sicht entschließt, nicht hart anzugreifen (Zitat in der Pressekonferenz: Es wäre wohl nicht korrekt gewesen….). Mit dieser Performance kann Rosberg auch in mehreren dutzend Jahren noch auf diesen Tag zurückblicken und erhobenen Hauptes sagen: diese Meisterschaft habe ich zu Recht gewonnen.

Das Endergebnis: zwei unglaublich starke Mercedes Piloten. Hamilton, dessen Schleichfahrt in manchen Kreisen (und in seinem Team) für Kritik sorgte, hat meiner Meinung nach alles richtig gemacht. Ein Meister muß seinen Siegesanspruch immer dem des Teams voranstellen, zudem für das Team natürlich auch schon alles gelaufen war. Hamilton hat in den letzten vier Rennen eine unglaublich starke Performance gezeigt (besonders im Regen von Sao Paulo), mehr Konstanz hätte Ihm locker zum Titel gereicht.

Auf der anderen Seite Rosberg, der Meisterverwalter, der beste allrounder. Nach zwei Jahren der Niederlage, trotz Glücks (Hamiltons Ausfall in Singapur) und Pechs (Ausfall durch Hamiltons Crash in Spanien), war er wieder nicht der schnellste Mercedes Pilot, dafür dieses Jahr aber der Beste.

Dann am Dienstag der Schock: Rosberg hört auf. Er sagt, nun sei Zeit für die Familie. Natürlich ist so etwas meistens nur der halbe Grund. In den Foren wird heftig spekuliert, hat er Angst vor der erneuten Konfrontation mit Hamilton? Hat er während der letzen GP gemerkt, dass er im Normalfall dem Hamilton fahrerisch unterlegen ist? Auf jeden Fall ist klar, dass Hamilton nun seine Revanche nicht mehr bekommen kann und Rosberg’s Titel ist für die Ewigkeit.

Wie geht es weiter? Nachdem mittlerweile klar wird, dass Alonso seinen McLaren Vertrag nicht brechen wird, halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass Wehrlein für mindestens ein Jahr Mercedes Pilot wird. Obwohl er erst einmal nur Platzhalter für Alonso in 2018 ist, hängt seine F1 Zukunft damit von seiner eigenen Leistung ab, der mögliche Gewinn, aber auch der Druck steigen damit beide immens.

Reisefieber

Eben bin ich angekommen im neuen Leben. Eingezogen in die neue Wohnung und den neuen Job noch nicht einmal begonnen. Ich habe noch etwas Zeit, doch sie hilft mir nicht. Es ist kalt und dunkel und ich komme nicht zur Ruhe.

Mein Babymonster steht, angemeldet und versichert, in Omis Hütte, achthundert Kilometer entfernt. Ich kann nichts tun, es ist zu weit, die Zeit zu knapp, ich sitze hier und lese zu viel. Jupiter’s Travels und One Man Caravan. Ich lese Blogs und Zeitschriften über die große Reise auf dem Motorrad. Die Welt findet draußen statt, überall, nur nicht hier und ich fühle mich, als schmisse ich diese Tage weg. Was ist mit Australien, Alaska, Indien und der Mongolei?

Das Babymonster habe ich eigens angeschafft für die Reise. Drei große Koffer und Platz ohne Ende, Kraft und alles was ich brauche um loszufahren. Ich habe einen neuen Bürojob angenommen, vor wenigen Wochen schien er eine Erleichterung, ein erreichtes Ziel, nun verheißt dieser Job: Gefängnis. Ich werde vierzig Stunden arbeiten, im Berufsverkehr stecken, mich auf das Wochenende freuen und Montage hassen. Ausgang gibt es nur bei Urlaub.

Meine Lektüre reizt mich, ich will los, am liebsten sofort. Es juckt mich im Hintern. Eine Reise, die nun beginnt, eine Reise die nicht einmal um die Welt geht und drei, vier oder fünf Jahre dauert, sondern das Reisen als Leben. Das Verweilen an jedem interessanten Ort, Freunde machen, Dinge lernen, Zeiz haben, Perspektiven wechseln. Eine Reise, die mehrere Male um die Welt geht und den Rest des Lebens dauert und erfüllt. Es juckt mich im Hintern.

Ich muß einen Weg finden, diesem Gefägnis zu entrinnen und raus hier, denn für dieses Leben bin ich nicht geschaffen.

Wie geht es Euch? Was macht Ihr, wenn Euch das Fieber packt?

F1: Title contender „Analyse“

Nun sind es nur noch wenige Tage bis zum letzten Lauf der Weltmeisterschaft. Die Titelentscheidung steht noch immer aus. Nach drei starken Siegen von Lewis Hamilton genügt Nico Rosberg nun ein Platz auf dem Podium.

Hier ist meine Einschätzung der beiden Contender:

Lewis Hamilton:

Hamilton ist ein sehr starker Rennfahrer, der wieder und wieder bewiesen hat, das er mit einem Rennauto Dinge anstellen kann, die nur ganz wenige können. Er besitzt einen unglaublich hohen natürlichen Speed, wenn er die richtige Einstellung trifft, dann ist er extrem schnell und definitv schneller als Rosberg. Wenn dann noch schwierige Umstände dazukommen, wie der Regen in Brasilien, dann vergrößert sich sein fahrerischer Vorsprung noch.

Sein Stil ist unaufgeregt und überlegt. In diesem Bereich hat er sich über die Jahre stetig weiterentwickelt. Er macht selten Fehler, aber er hat in dieser Saison den Start häufiger verpatzt als sein Teamkollege.

In Punkto Racecraft und Systems Management ist er stark, er hinterfragt Teamentscheidungen, wenn er es für nötig hält und agiert überlegt.

Eine Sache, die er Rosberg voraushat ist der Killerinstinkt, der unbedingte Wille, die Lücke zu nutzen. Mit diesem Kampfgeist gibt er sich nie geschlagen, solange er noch den Hauch einer Chance hat. Diesem Killerinstinkt ist es auch zuzuschreiben, dass er überhaupt noch im Rennen ist: Sein „Fehler“ in Barcelona und das bedingungslose (rücksichtslose) Überholmanöver (Crash) gegen Rosberg in Österreich.

So ähnlich verhält es sich mit diesem Titelrennen: vor dem Mexiko-GP gab er sich gleichgültig, seine Körpersprache war resigniert, es war als hätte er bereits jede Hoffnung auf den Titel 2016 abgeschrieben. Seitdem hat er aber geliefert und nur durch Rosberg’s Schlauheit und auch Glück hat er nun überhaupt noch Chancen. Aber: Hamilton gefällt sich (wie die meisten Briten) in der Rolle des Underdogs und er wird erst aufgeben, wenn es vorbei ist.

Seine Strategie muß sein: gewinnen und mindestens zwei Autos zwischen sich und Rosberg bringen. Das Rennen zu gewinnen liegt deutlich im Bereich seiner Möglichkeiten, ansonsten muß er auf die Hilfe der Red Bulls hoffen. Die zeigen sich bullig und willig. Alles in Allem hat Hamilton eine echte Chance diesen Titel noch zu gewinnen, fahrerisch hat er das Zeug dazu und mehr.

Nico Rosberg:

Auf seinem social media tritt Rosberg als hart arbeitender Familienmensch auf, während Hamilton auf Lifestyle-und Travelblogger mit Modeallüren macht. Viele Leute, einschließlich Bernie Ecclestone halten Rosberg für einen langweiligen Menschen und „unexciting“ Champion. Für mich ist Rosberg um Meilen sympathischer als der Brite und ich gönne Ihm diesmal den Titel, doch im Kampf um die Weltmeisterschaft wird ihm das garnichts helfen.

Vom Grundtalent her ist Rosberg stark (natürlich, denn sonst wäre er ja auch nicht bei Mercedes), allerdings nicht ganz so begabt wie Hamilton. Seine Siege sind hart erarbeitet, kalkuliert und das Ergebnis präziser Analyse. Er arbeitet mehr im Simulator, dreht im FP mehr Runden und nimmt jede Testgelegenheit wahr, wohingegen Hamilton schon mal Fußschmerzen vortäuscht um woander Parties zu feiern.

Rosberg macht mehr Fehler als Hamilton, allerdings jeden nur einmal. Er hat z.B. früher hart an seiner Starttechnik gearbeitet und auch dadurch wichtige Punkte gegenüber Hamilton gewonnen.

Während der letzten drei Rennen, als klar war, dass Rosberg nur noch jeweils zweiter werden muß, um Weltmeister zu werden, ist er sehr konzentriert und klug gefahren. Ihm ist bewußt, dass ein Ausfall bei Hamilton’s Sieg schlimmer wäre als ein dritter oder vierter Platz. Zweimal behielt er den zweiten Rennplatz nur durch Glück, als nämlich Verstappen und Ricciardo mit Red Bull mutige, aber falsche Strategientscheidungen trafen. Rosberg sagt seit drei Rennen jedes Mal, wie sehr er auf den Sieg fährt, tut jedoch etwas anderes, er verwaltet nämlich seinen Vorsprung.

Das Verwalten jedoch ist Rosbergs absolute Stärke. Unvergessen die extreme Aufholjagd nach Boxenstop von Ricciardo in Singapur, an deren Ende Rosberg mit zwei Sekunden Vorsprung immer noch gewann. Rosberg ist außerdem ein Meister im Verwalten von Reifen, Benzin, Motoren, elektrischer Systeme und Vorsprünge. In diesem Bereich ist er Hamilton überlegen, und zwar durch seine unbedingte Bereitschaft, jedes Detail präzise zu kennen.

Wie soll sich Rosberg also nun im letzten Rennen verhalten um endlich den Titel zu gewinnen? Er kann sich notfalls einen Crash mit Hamilton leisten. Was er sich nicht leisten kann, ist sich mit Red Bulls herumzubalgen während Hamilton gewinnt. An diesem Punkt der Weltmeisterschaft muß er agressiver werden, im direkten Kampf gegen Hamilton. Zum Einen, um Hamilton zu verwickeln, und zum Anderen um zu beweisen, dass er ein Champion auf Augenhöhe mit Hamilton ist. Das Verwalten seines Punktevorsprungs kann und darf für Rosberg diesmal nur der Plan B sein. Ich wünsche ihm viel Erfolg dabei.

Mein Motorrad (mein Monsterbaby)

Nach vier Jahren auf meinem Anfängerbike, der allseits als gutmütig bekannten und beliebten xj600, war es dieses Jahr Zeit für etwas neues.

Die xj600 war toll, aber in keiner Hinsicht spektakulär. Sie war mehr so der Golf 3 unter den Motorrädern. Allerdings hatte ich das Kofferset, die Ledersitzbank und die Farbaustattung „Aubergine“. Innerhalb von 4 Saisonen fuhr ich damit 32000 km, was nicht unbedingt so viel ist, aber auch nicht sehr wenig.

Das Beste an meiner xj600 war, dass ich damit in Berlin fast überall durchkommen konnte. Sie war rank und schlank, man bekam mit der Zeit ein hervorragendes Gefühl dafür, durch welche Lücken im Verkehr sie passte und durch welche nicht. Allerdings war sie klein, so dass ich mit 1,97m mitunter recht putzig darauf aussah. Bequem hab ich auf meinem Pony dennoch immer gesessen.

Es war also an der Zeit, mich zu vergößern. Ich suchte zum einen ein Motorrad, das mir passt und zum anderen eines mit etwas mehr Leistung als den 61PS meiner xj. Dieses Motorrad sollte mich für die nächsten 6-10 Jahre begleiten, sollte zuverlässig sein, stark und gutmütig.

Auch war von vornherein klar, dass eine Weltreise mit wenigen Umbauten zumindest im Bereich des Möglichen liegen sollte. Also brauchte ich zumindest leichte Offroadgängigkeit, Koffer, Platz und einen großen Tank. Außerdem wollte ich das Bike von einem Händler kaufen und nicht von privat, denn ich brauchte einen kompetenten Ansprechpartner mangels meiner Erfahrung mit großen Maschinen.

Ich gehe also zum Händler und da steht diese riesige bunte Varadero. Zusätzlich stehen noch ein paar ältere BMW GS Modelle zur Auswahl, alles durchaus im Budget. Während ich mir geduldig die Ausführungen des Verkäufers anhörte, war doch meine Entscheidung längst gefallen. GS macht halt irgendwie jeder.

Zwei Wochen später fuhr ich damit vom Hof und habe seitdem nicht aufgehört zu lächeln. Der 2 Zylinder verhält sich natürlich ganz anders als der 4Zylinder meiner XJ, das Gefährt ist auch viel größer und schwerer, dadurch bei niedrigen Geschwindigkeiten schwerer zu handhaben. Aber insgesamt geht von Ihr eine Ruhe und Souveränität aus, die mich schwer beeindruckt.

Meine bunte Kuh braucht eine feste Hand und eine klare Ansage, dann aber gleitet sie wie auf Schienen, mehr noch, man bekommt das Gefühl, dass Sie bestimmt wo es langgeht. Power ist nun auch immer und überall reichlich vorhanden.

Nach einer handvoll kleinerer Touren nach Polen und in den Harz freue ich mich nun wie ein kleines Kind auf den Frühling.

Bob Dylan und der Nobelpreis

Ja was macht er denn da? Bob Dylan, Literaturnobelpreisträger 2016 verzichtet darauf, bei der Verleihung persönlich anwesend zu sein. Er bedauert es sehr und beteuert schriftlich, dass es eine große Ehre wäre, er aber leider verhindert sei. Nach der Bekanntgabe der Verleihung, meldete sich Bob Dylan zwei Wochen lang nicht und war für das Preiskomittee unerreichbar.

Klar, die Verleihung von Preisen ist fast immer politisch motiviert und und hat beinahe niemals etwas mit tatsächlich erbrachter Leistung zu tun. Ein gutes Beispiel dafür sind die Oscars, die man ja schon lange nicht mehr ernst nehmen kann sondern nur noch als schlechtes Unterhaltungsspektakel am Rande interessant sind, so wenig kongruent sind deren Gewinner. Auch das Nobelpreiskommittee hat schon mit sehr fragwürdigen und schwer nachvollziehbaren Entscheidungen seine eigene Reputation untergraben. Nichtsdestotrotz gibt es Dutzende Menschen, die sich ernsthafte Schriftsteller nennen und beinahe alles dafür tun würden, den Literaturnobelpreis zu erhalten.

Bob Dylan erhielt den Nobelpreis für „neue Ausdrücke innerhalb der großartigen Amerikanischen Songtradition“, die er erschaffen hätte. Sicherlich ist Bob Dylan ein Poet (ich selbst habe mehrere seiner Gedichtbände im Regal). Er ist aber auch ein Meister darin, seine Ansichten musikalisch so darzustellen, dass viele Leute sich damit angesprochen fühlen (dies gilt weniger für sein Spätwerk). Seine Ansichten haben zu tun mit Frieden, Ungerechtigkeit und Freiheit zu tun. Sein musikalisches Werk ist mittlerweile unüberschaubar, doch die wichtigsten (bekanntesten) stammen aus seiner Zeit in der Freiheitsbewegung Mitte und Ende der 19 sechziger Jahre.

Bob Dylan hat mit seiner Musik ganze Generationen bewegt. Man sagt auch, er hätte den Beatles auf Ihrem USA Trip Marihuana gezeigt und so zu Ihrem Wandel von einer mittelguten Popband zu einer revolutionär guten Avantgardegruppe erwirkt. Ob das stimmt oder nicht, man kann sicher sein, dass Bob Dylan, seine Arbeit und sein Einfluss über die Jahre größer sind als die gesamte klassisch definierte Literatur.

Dass er nun den Literaturnobelpreis erhält, ist nun also so, als würde man die Sonne als besten Planeten auszeichnen.

Alle revolutionären Menschen, wenn sie nur lange genug da sind, werden irgendwann durch pure Anwesenheit vom Establishment geehrt und werden somit selbst ein Teil dessen.

Was ist nun Bob Dylan’s Antrieb, so beiläufig mit diesem Preis umzugehen? Zeigte er sich dankbar wäre nur ein weiterer Ohmeingott Schriftsteller der sich, nur dadurch, diesen Preis als Ehre zu betrachten, einreiht in die Liste, der sein Werk dadurch definieren und damit einschränken läßt.

Meine Theorie ist, dass er sich so verhält wie er sich verhält, nicht weil er Überlegenheit gegenüber den anderen potentiellen Preisträgern demonstrieren will, sondern weil er einfach sein Ding macht, wie er es schon immer getan hat.

Perspektivenwechsel: Als Nobelpreisträger ist man in hundert Jahren nur noch ein Name in einer Anzahl von langen Listen, die niemanden mehr wirklich interessiert. Aber Bob Dylan ist in hundert Jahren immer noch Bob Dylan, dessen Einstellung und Werk man studieren und bewundern wird als das eines Genies.

Brazil 2016 Review

Dieses Rennen ist aus mehreren Gründen ganz speziell. Zum einen ist der Kurs in Interlagos noch eine richtige Rennstrecke aus einer Zeit zuder noch richtige Rennstrecken gebaut wurden, zum anderen fällt hier während des Rennens im November oft Regen.

Die beiden Titelanwärter Rosberg und Hamilton kamen mit klar definierten Zielen an den Start: Hamilton mußte mehr Punkte machen als Rosberg und Rosberg wollte gewinnen oder mindestens so wenig Punkte auf Hamilton verlieren, wie möglich.

Am Samstag vor dem Qualifying gaben sich Hamilton fast gleichgültig und Rosberg zuversichtlich, so weit alles wie fast immer. Im letzen Anlauf während des Q3 fuhr Rosberg eine für seine Verhältnisse unglaublich schnelle Runde und das nach einem leichten Fehler im vorangegangen Versuch. Hamilton stellte allerdings prompt seine außergewöhnliche Begabung zur Schau, in dem er Rosberg noch einmal ein Zehntel abnahm. Auch hier gab es also keine Überraschungen.

Im Rennen dann leider einige: starker Regen. Start hinter dem Safetycar, dann noch mehr Safetycar, Rennabruch dann wieder Safetycar. Gefahren wurde zwischendurch kaum, dafür aber gegen Ende. Hamilton souverän vorneweg, Rosberg vorsichtig. Wenn alles normal gelaufen wäre, dann hätten die Red Bull, allen voran Max Verstappen, Rosberg locker überholt. Nur ein zu ehrgeiziger Strategiewechsel (Intermediates), sorgte am Ende dafür, dass Rosberg als zweiter ins Ziel kam.

Bemerkenswert daran sind zwei Sachen: der Strategiewechsel hätte bei geringer werdendem Regen tatsächlich zum Sieg der Red Bulls geführt und wurde daher zweimal mutig probiert. Zum Zweiten beeindruckte Max Verstappen nach seinem letzten Stop spektakulär mit einer Aufholjagd von P13 auf P3. Hätte das Rennen noch einige wenige Runden länger gedauert, dann hätte Verstappen wohl gewonnen. Verstappen überholte während der Aufholjagd auch seinen Teamkollegen Ricciardo und legte damit überzeugend dar, dass er fahrerisch in noch einer ganz anderen Liga spielt als der sympathische Australier.

Was lernen wir aus dem Grand Prix von Brasilien 2016?

  • frühere Weltmeister Alonso und Vettel sind sich ähnlicher als wir bis jetzt wußten: beide sind momentan verzweifelt und reagieren extrem ungehalten auf rechtmäßige Überholmanöver
  • Egal wie vorsichtig die Rennleitung bei solchen Bedingungen ist, alle Gefahren können sie nicht verhindern: Ocon hätte um ein Haar den stehenden Raikönnen auf der Geraden gerammt – Ein höchstwahrscheinlich tödlicher Unfall für beide
  • Rosberg ist clever: wenn er nicht gewinnen kann, dann mindert er das Risiko so weit wie möglich
  • Hamilton ist ein Champion, egal ob er dieses Jahr den Titel holt oder nicht: er fuhr eiskalt, präzise und fehlerlos. Sicher hätte er gegen Rennende auch noch zulegen können, wenn er unter Bedrohung von Verstappen gekommen wäre.
  • RedBull haben keine Angst: wiederholt haben Sie auf die falsche Reifenstrategie gesetzt, die allerdings den Ausgang des Rennens geändert hätte. Respekt.
  • Kimi blamiert sich, als er auf die Gerade kommend, die Kontrolle verliert. Er hatte zu diesem Zeitpunkt die Regenreifen montiert. Hat er keine Lust mehr?
  • Verstappen ist ein hervorragender Fahrer. Im Regen experimentiert er mit verschiedenen Linien und deklassiert das übrige Fahrerfeld. Sein einziger Fehler war ein Resultat der Suche nach der gegenwärtig besten Linie und wurde meisterhaft ausgebügelt.

Was ist Eure Meinung zu Interlagos 2016?

Der neue Kalender

Liebe Leser,

herzlich willkommen zu einer neuen Folge von: Matthes‘ geniale Geschäftsideen. Heute stelle ich ein Modell vor, das, einfach wie genial, keine Produktionskosten hat.

Das Modell basiert auf der Grundidee, dass Leute Dinge beim Namen nennen. Das Konzept eines Namens ist sehr abstrakt. Einige wenige sind logisch, oder onomatopoetisch herleitbar. Die allermeisten sind allerdings willkürlich: Tür, Fenster, Stuhl, Tisch.

Der allgemeine Konsens ist folgender: diese Namen haben sich erst entwickelt, dann durch sehr starken Gebrauch durchgesetzt. Aus diesem Grunde verändern sich unsere Sprachen ständig: der Gebrauch. Zum Beispiel war die Phrase „alles gut“ bis vor kurzem weder ein vollständiger Satz noch eine korrekte Antwort auf irgendeine Frage. Nun geht es als ersteres durch und gilt korrekte Antwort auf beinahe jede Frage. Wahrscheinlich haben viele der heutigen Sprachbenutzer keine Zeit mehr, in ganzen Sätzen zu sprechen, schließlich gibt es gleich eine neue Folge von Frauentausch.

Hier setzt meine Idee an: Wenn wir genügend Leute dazu bringen können einen Stuhl Tisch zu nennen, dann heißt ein Stuhl Tisch. Wie dann der frühere Tisch heißen soll, weiß ich nicht. Weiter zu meiner Idee: der Kalender ist komplett veraltet. Niemand interessiert sich mehr für die alten Monatsnamen, die Cäsaren Julius und Augustus sind lange tot. Genau wie Jesus, bei dessen angeblicher Geburt wir die moderne Zeitrechnung angefangen haben zu zählen. Dass all dieses Zeug veraltetes Gedöns ist, ich wohl mittlerweile jedem klar. Wir klammern uns bisher an bewährtes: aus Bequemlichkeit, Faulheit und Angst.

Meine Idee ist: wir verkaufen einfach Monatsnamensrechte an große Unternehmen, Tage der Woche an Brands innerhalb großer Unternehmen und streichen einfach alle Jahre vor heute. Alle folgenden Jahre verkaufen wir namensrechtlich auch. Sämtliche Rechte werden jährlich an den höchstbietenden Konzern versteigert.

Wir wären am Smart im Google im Jahr Starbucks. Auch Jahreszeiten, Uhrzeiten und unbestimmte Zeitpunkte wie Morgen, Mittag, Abend, Feierabend, Mittagspause lassen sich bei uns käuflich erwerben. Statt 7 Wochentage wie bisher 52 mal im Jahr zu wiederholen (laaangweeeeilig), könnten wir jeden Tag im Monat separat verkaufen. Oder gar jeden Tag im Jahr. Oder wir teilen eine Woche statt wie bisher in sieben Tage in 84 Tage, die jeweils nur zwei (separat benannte) Stunden lang sind. Das wäre doch für Meetings und Fernsehsendungen ganz praktisch.

Sicherlich, es gibt 8 Milliarden Benutzer, die sich gerade erst an das alte System gewöhnt haben, allerdings sind 8 Milliarden potentielle Benutzer eine kleine Umgewöhnung sicherlich wert.

Zuerst müssen wir die Influencerunternehmen und -Regierungen gewinnen, die den allermeisten Einfluß darauf haben, wie Menschen sich verhalten. Das wären Amarzon, Goorgle, Arpple, die BRD, China und Indien. Denen machen wir das neue System mit Premiumfreitagen oder gar -Monaten zu Anfang schmackhaft. Dann folgen die restlichen Benutzer von ganz allein, denn schließlich kann sonst niemand mehr mit den Influencern Kaffee trinken gehen.

Die Benutzer können über ein Freemium Modell Ihren neuen Kalender entweder kostenlos (mit leichten Inkorrektheiten und Werbung) oder für teuer mit vollem Funktionsumpfang genießen.

Wie gesagt, es ist reine Gewöhnungssache, das Potential ist allerdings endlos.